Redebeitrag (4/7) vom 23.01.21 – Migrantifa Berlin

Am 23.01.21, haben sich etwa 200 Menschen versammelten, um dem im Knast Moabit Ermordeten Ferhat Mayouf zu gedenken. Ihr findet alle Redebeiträge auf unseren Blog. Hier der von Migrantifa Berlin:

Liebe Angehörige von Ferhat,
liebe Hinterbliebene und Weggefährt*Innen von Ferhat,
liebe Gefangenen,
liebe Mitstreitende im Kampf gegen Rassismus,
liebe Geschwister im Islam und Liebe Geschwister im Geiste,

zunächst einmal möchten wir euch unser tiefes Beileid aussprechen und unsere Trauer bekunden über den schmerzhaften Verlust unseres Bruders. Und von all den Worten, die Sprache uns zur Verfügung stellt, drehen und winden wir uns, um die richtigen Worte zu finden. Doch wie sollten wir in der Lage sein, die Leere zu fassen, die zurück bleibt, wenn wieder ein Mensch diesem rassistischen System zum Opfer fällt und das Schweigen der Verantwortlichen so laut ist?

Wie auch Oury Jalloh, so wie Amad Ahmad, so ist auch Ferhat Mayouf bei lebendigem Leib in seiner Zelle verbrannt! Im besten Falle haben die so genannten „Sicherheitsbehörden“ versagt und noch vielmehr steht die starke Befürchtung im Raum: Es war Mord! Vorsätzlich! Feige! Heimtückisch! Und wir schwören euch, wir schwören allen rassistischen Mörder*Innen da draußen – ihr werdet mit euren Taten nicht davon kommen.
Weiterlesen

Redebeitrag (3/7) vom 23.01.21 – Hände weg vom Wedding

Am 23.01.21, haben sich etwa 200 Menschen versammelten, um dem im Knast Moabit Ermordeten Ferhat Mayouf zu gedenken. Ihr findet alle Redebeiträge auf unseren Blog. Hier der von Hände weg vom Wedding:

(Der Beitrag wurde auch aufgenommen und ist hier zu hören)

Wir versammeln uns heute hier in Gedenken an den vor sechs Monaten ermordeten Ferhat Mayouf in der JVA Moabit. Ferhat Mayouf verbrannte am 23 Juli letzten Jahres in seiner Gefängniszelle hier in der JVA Moabit, Gefangene berichte von Hilfe rufen und von einen nicht einschreiten der Wärter. Die Frage warum Ferhat Mayouf sterben musste und die Wärter ihn nicht halfen, bleibt weiterhin ungeklärt. Gerade diese Unklarheiten reihen sich ein in eine traurige Vielzahl von Todesfällen in Gewahrsam, die durch die Kampagne Death in Custody zusammen getragen wurde. Nach aktuellem Stand der Recherche wissen wir von 179 Todesfällen von Schwarzen Menschen, People of Color und von Rassismus betroffenen Menschen die in deutschem Gewahrsam seit 1990 zu Tode kamen. 179 Todesfälle, die bei weitem unvollständig sind, es ist anzunehmen, dass die Dunkelziffer um  ein Vielfaches höher ist.

Die Todesumstände von Ferhat Mayouf, sowie der nicht vorhandene Wille zur Aufklärung seitens der staatlichen Behörden, wecken traurige Errinnerungen an den Tod von Oury Jalloh, der 2005 in Dessau gefesellt in einer Polizeiwache verbrannt und misshandelt wurde, wie auch an den Tod von Amad Ahmad, der 2018 in der JVA Kleve durch einen Brand in seiner Zelle starb. Laut den Behörden handelt es sich bei diesen Fällen um Suzid, diesen Narrativ gilt es entschlossen entgegen zu treten, gerade die Arbeit der Oury Jalloh Initative hat gezeigt, dass den behördlichen Versionen nicht vertraut werden darf und Aufklärung aktiv behindert wird.

Weiterlesen

Redebeitrag (2/7) vom 23.01.21 – Kay, Gefangener aus Moabit

Am 23.01.21, haben sich etwa 200 Menschen versammelten, um dem im Knast Moabit Ermordeten Ferhat Mayouf zu gedenken. Ihr findet alle Redebeiträge auf unseren Blog. Hier der von Kay, einem Gefangenem aus der JVA Moabit, als Audiobeitrag.

Wir haben seinen Beitrag, im Nachhinein, auch verschriffltich. Hier die Rede in Text Form:

Ferhat Mayouf – Das war Mord!

Es war Freitag, der 24.07.2020 und auf der Station Teilanstalt Ⅰ B4 unter der Leitung Frau Wedra blickt man in leere, traurige und verstörte Gesichter. Es gab einen Brandtoten in der Nacht von 23.07.2020 auf den 24.07.2020. In jener Nacht gegen 21:50 Uhr telefonierte ich mit meiner geliebten Freundin, um ihr gute Nacht zu sagen und dass ich sie vermisse. Kurze Zeit später legte ich mich ins Bett, bei weit geöffneten Fenstern und schaute TV. Draußen unterhielten sich der Zellenblock B und C der Teilanstalt Ⅰ.

Weiterlesen

Redebeitrag (1/7) vom 23.01.21 – Death in Custody

Am 23.01.21, haben sich etwa 200 Menschen versammelten, um dem im Knast Moabit Ermordeten Ferhat Mayouf zu gedenken. Ihr findet alle Redebeiträge auf unseren Blog. Hier der von Death in Custody:

(Der Beitrag wurde auch aufgenommen und ist hier zu hören)

Am 23. Juli 2020 starb Ferhat Mayouf aus Algerien infolge eines Zellenbrands in der JVA Moabit. Offiziell wird sein Tod als „Suizid“ dargestellt. Vieles deutet allerdings daraufhin, dass die JVA für seinen Tod verantwortlich ist: So hatte Mayouf über Depressionen geklagt. Er bekam jedoch keine Hilfe, sondern wurde im Gegenteil 23 Stunden am Tag eingeschlossen, isoliert und mit seinen schweren Depressionen alleine gelassen. Als seine Zelle brannte, blieben JVA-Mitarbeiter*innen tatenlos; auch auf Hilferufe anderer Gefangener reagierten sie nicht. Als seine Zellentür endlich geöffnet wurde, war er bereits tot. Rippenbrüche an seinem Leichnam und Aussagen von Mitgefangenen deuten darauf hin, dass Mayouf vor seinem Tod durch Bedienstete der JVA misshandelt wurde. 

Die JVA Moabit behauptet, es hätte keine Hilferufe gegeben. Sie bezeichnet den Tod von Ferhat Mayouf als einen Fall von „Suizid“. Wir sagen: Es gibt keinen „Suizid“ im Knast! In einer totalen Institution kann es keinen freien Willen zur Beendigung des eigenen Lebens geben. Außerdem wissen wir dass offiziellen Behauptungen nicht geglaubt werden darf – besonders deutlich zeigen dass die klar widerlegten Lügen um die Ermordung von Oury Jalloh in Dessau. 

Weiterlesen

DIC Redebeitrag vom 13.12.20 – Gemeinschaftlicher Widerstand Kundgebung in Berlin

Am 13.12.20 wurde bundesweit Solidarität mit den Betroffenen der Rondenbarg-Verfahren gezeigt. In 19 Städten gab es Kundgebungen, Demonstrationen und Banner Drops. Allein in Berlin sind über 600 Menschen unter dem Motto „Fight Repression – United we Stand“ auf die Straße gegangen. Diese Solidarität gilt es weiter aufrecht zu erhalten. Wir veröffentlichen hier unseren Redebeitrag:

Liebe Genoss*innen,

ich grüße euch im Namen der Death in Custody Kampagne.
Nach mehr als drei Jahren beginnt das Rondenbarg Verfahren in Hamburg nächsten Donnerstag, am 3.11. Ein Verfahren, welches sich über Monate, wenn nicht gar Jahre hinziehen wird. Mehr als 80 Aktivist*innen haben in diesem Zusammenhang eine Anklage erhalten.

Unsere Anwesenheit heute Bundesweit auf den Straßen dient nicht nur dazu unsere Solidarität mit den Angeklagten zu bekunden, sondern auch um ein klares Signal zu senden, dass wir uns als heterogene linke und emanzipatorische Bewegung nicht durch Justiz und Polizei diskretisieren und kriminalisieren lassen.

Weiterlesen